Interview mit Adrian Zimmermann, CEO snowflake zum Parldigi Kernteammeeting

13. Oktober 2017 von Dagmar Boy Veröffentlicht unter *Unternehmens-News* Verschlagwortet mit , ,

Die parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit « Parldigi» wurde 2009 gegründet und setzt sich für den digital nachhaltigen Umgang mit Wissensgütern ein. Seit 2014 ist snowflake Partner und bringt sich aktiv ein um bezüglich digitaler Nachhaltigkeit bessere Rahmenbedingungen in Verwaltung, Bildung und Wissenschaft zu erlangen.

Anlässlich des Kernteammeetings vom 21. September gibt Adrian Zimmermann, CEO snowflake productions gmbh im Interview einen kurzen Überblick über die verschiedenen Vorstösse.

Was waren aus deiner Sicht die wichtigsten Vorstösse?
Zur Zeit sind folgende Vorstösse von Parldigi hängig:

Ausserdem möchte ich hier noch erwähnen, dass Thomas Weibel am 16.06.16 ein Postulat verfasst hat zum Thema freihändige Vergaben: «Abhängigkeit von Herstellern und Wege zur Risikominderung bei IT-Beschaffungen.»

Dieses Thema wurde auch im Mai 2016 in der SRF Rundschau thematisiert:
http://www.srf.ch/news/schweiz/it-projekte-milliarden-ohne-ausschreibung

Der Bundesrat hat das Postulat zur Annahme empfohlen und der Nationalrat hat dieses am 30.09.16 angenommen:
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20163515

Seit dann hat sich einiges getan und die Statistik hat sich folgendermassen verändert:

Trend Mai 2016: 42.5% Anteil IT-Freihänder (Bund, Kantone und Gemeinden)

Trend September 2017: 36.2% Anteil IT-Freihänder (Bund, Kantone und Gemeinden)

Auf www.beschaffungsstatistik.ch sind die aktuellen Beschaffungszahlen tagesaktuell einsehbar.

Wann kommt Open Source in der Bundesverwaltung?
Hier sind wir auf verschiedenen Ebenen aktiv.

Einerseits haben wir bereits erreicht, dass die AGBs vom Bund OS konform sind in Zusammenhang mit den Haftungsfragen, Urheber- und Eigentumsrechten am Code. Da OS Lizenzen ein bisschen anders geregelt sind als closed-source.

Ausserdem gibt es ein ausführliches Merkblatt, welches wir mit dem BBL ausgearbeitet haben zur Beschaffung von OSS. Hier steht gerade eine Überarbeitung an.

https://www.beschaffung.admin.ch/dam/bpl/de/dokumente/Bedarfsstellen/Merkblaetter/Merkblatt_Software_Ausschreibungen_inkl_%20IT_ABG_und_Pflichtenheftbeilage.pdf.download.pdf/Merkblatt_Software_Ausschreibungen_inkl_%20IT_ABG_und_Pflichtenheftbeilage.pdf

Der Bund hatte bereits im 2006 ein Strategiepapier für die OS Beschaffung verfasst, welches bisher aber irgendwo in Schubladen verstaubt und total outdated ist. Wir werden hier im 2018 eine Neuauflage dieser Strategie fordern und mitgestalten.

Kommt eVoting auch in der Schweiz?
Eine spannende Frage! Der Bund hat die Kantone angewiesen bis zu den Wahlen 2019 eVoting anzubieten. Es gibt bereits heute 5 Kantone die eVoting eingeführt haben. Zurzeit gibt es zwei Lösungen:

Es wird wohl auch in Zukunft keine weiteren Anbieter geben, da die sicherheitstechnischen Bedingungen zurecht extrem hart sind. Jeder der sich auf eine Ausschreibung bewerben will, muss bereits einen Referenzkanton vorweisen können. Ist wohl ein klassisches Huhn/Ei Problem, so dass keiner ausser den beiden teilnehmen kann… bis allenfalls ein sehr mutiger Kanton einen Partner ohne Referenz wählt. Ausserdem muss man klar die Frage stellen, ob ein Kanton generell, hier Genf, Software-Anbieter für andere ’spielen soll’ und dies noch in einer der delikatesten Bereiche, die es überhaupt gibt. Das ist ja definitiv nicht seine Kernaufgabe. Dies hat Genf wohl selber eingesehen und deshalb schon vor Jahren angekündigt, dass die Software als OS publiziert wird, so dass andere damit anbieten können. Leider ist das bis heute nur in unbrauchbaren Bruchstücken passiert, so dass die Tür für die Zukunft wohl zu bleibt. Die jüngsten Ausschreibungen haben nämlich die Post gewonnen, so dass wir hier bald ein Monopol und Lock-in haben werden. Dies will der Bund ja eigentlich verhindern. Ich kann den anderen Kantonen nicht übel nehmen, dass sie grundsätzlich nicht von einem anderen Kanton wie Genf abhängig sein wollen. Was passiert, wenn dort die Regierung wechselt und das Projekt aufs Abstellgleis kommt? Das Investitionsrisiko ist viel zu hoch. Apropos Investitionen; die Kosten für eVoting sind natürlich immens, da die Anforderungen extrem hoch sind. Nur ein Beispiel, die Stimmabgabe muss anonymisiert werden (Stimm- und Wahlgeheimnis), was bei IT Strukturen schon mal eine sehr grosse Challenge ist. Bei Problemen, Hackerangriffen oder sonstigen Fehlern muss aber wieder eine gewisse Nachvollziehbarkeit da sein, was ein Paradoxon darstellt. Natürlich darf die Verschlüsselung nicht hackbar sein und so weiter. Die Kosten, die schiere Unmöglichkeit der Umsetzung, die Angst vor globalen Manipulationen (bei Urne und Brief nicht machbar) und politische Unwegsamkeiten lassen immer mehr Stimmen aufkommen die behaupten, dass eVoting nicht oder zumindest nicht so wie der Bund es vorschreibt, umgesetzt werden soll:

http://www.netzwoche.ch/news/2017-08-22/dobler-und-grueter-wollen-e-voting-auf-eis-legen

 

Die Themen bleiben spannend und man darf neugierig auf die Weiterentwicklung sein. Am 6. Dezember findet das nächste Meeting statt.

Teile des Quellcodes vom Kt. Genf sind auf https://github.com/republique-et-canton-de-geneve/chvote-1-0 online zugänglich. Bis 2019 soll der ganze Quellcode als OSS freigegeben werden.

 

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