Warum webbasierte Applikationen besser sind als Fat Clients

01. November 2016 von Adrian Zimmermann Veröffentlicht unter Digitale Transformation, Know-how/Tipps&Tricks Verschlagwortet mit ,

Kürzlich habe ich mich wiedermal gefragt, warum sich eigentlich immer noch das ein oder andere .exe auf meinem Desktop befindet und ob es nicht viel besser wäre, dieses durch eine Webanwendung zu ersetzen …

Abgesehen davon, dass ich nicht unbedingt Fan von Schwarz-Weiss-Pauschalisierungen bin, ist die Frage sehr spannend und weitreichender als auf den ersten Blick ersichtlich. In den 90ern habe ich selber noch derartige Windows Clients, also Fat Clients, entwickelt. Mit der Gründung von snowflake wechselte ich in die Web-Welt und wir bauten ausschliesslich webbasierte Lösungen. Ich kenne also beide Seiten, sowohl aus der Entwickler-Praxis, als auch aus der Anwendersicht.

Fat Client vs. Thin Client

Bevor ich aber meine Argumente darlegen möchte, gilt es zu klären, was mit den einzelnen Bezeichnungen üblicherweise gemeint ist. Die beiden Client Typen lassen sich grob folgendermassen voneinander abgrenzen:

  • Fat Clients sind üblicherweise monolithische Systeme das heisst, die Funktionalität wie auch die eigentliche Anwendungslogik liegen beim Client selbst. Diese Clients müssen also direkt auf dem Benutzergerät installiert sein.

  • Anders beim Thin Client (auch Cloud-Anwendung, Zero Client), welcher die Funktionalitäten über einen Server abdeckt. Demnach kann das User-Interface beispielsweise durch einen Webbrowser zur Verfügung gestellt werden. Die webbasierte Applikation wird folglich oft dem Thin Client gleichgestellt, was streng genommen nicht ganz stimmt, aber in diesem Kontext eine gewollte Vereinfachung darstellt.

Bei snowflake setzen wir seit bald 17 Jahren erfolgreich ausschliesslich Thin Clients um, daher dürfte meine Antwort wohl etwas Web-gefärbt sein. Gegenthesen nehme ich aber gerne entgegen.

Fat Clients sind überall da spannend, wo eine Verbindung auf den Server nicht garantiert werden kann. Denn im Gegensatz dazu benötigt ein Thin Client die konstante Verbindung zum Server. Mit zunehmender Verfügbarkeit von schnellen Verbindungen hat aber auch die Möglichkeit Thin Clients einzusetzen, zugenommen. Schnelle Datenverbindungen sind seit längerem vielerorts sogar über das Mobile-Netz üblich, was sicherlich für die Verbreitung von Thin Clients zusätzlich förderlich ist.

Neben dem Faktor der Datenverbindung sehe ich nur noch den Punkt der Computing Power als positiven Gesichtspunkt für Fat Clients. Bei rechenintensiven Aufgaben und der Verarbeitung von grossen Datenmengen, wie zum Beispiel dem Bearbeiten von digitalen Videos, sind nach wie vor Fat Clients klar im Vorteil. Oder sehen Sie noch weitere Vorteile, welche für Fat Clients sprechen?

Was spricht für die webbasierte Applikation?

Mit der Zunahme von Cloud Computing wird auch der Einsatz schlanker, webbasierter Applikationen immer verbreiteter. Meiner Meinung nach sind folgende Aspekte die ausschlaggebendsten:

  • Software kann übers Web von überall her genutzt werden

  • Nutzbar auf allen Devices mit einheitlichem User Interface

  • Hohe Sicherheitsaspekte

  • Auch veraltete Hardware tut noch ihren Dienst

  • Keine Installation – einfaches Deployment

Gerne erläutere ich meine Argumente wie folgt:

Software kann übers Web von überall genutzt werden

Wer kennt das nicht? Ein Kern-Businessprozess (bspw. die Lohnzahlung) kann nicht ausgeführt werden, da die zuständige Person krank ist. Die Software ist auf einem einzigen PC installiert und niemand kennt den Zugang. Indem diese Anwendung in der Cloud betrieben wird, kann sichergestellt werden, dass von überall zugegriffen werden kann. Und mit den heutzutage möglichen Sicherheitsmassnahmen ist auch der Aspekt der Sicherheit genügend abgedeckt.

Nutzbar auf allen Devices mit einheitlichem User Interface

Microsoft macht es mit dem Flagship Produkt Windows 10 vor: Ein einheitlicher Look&Feel soll über alle Endgeräte sichergestellt werden. Egal ob Smartphone, Tablet oder Desktop. Damit ist die User Experience Device-übergreifend und einheitlich.

Diesen Weg gehen auch Thin Clients. Ein einheitliches User Interface, egal ob ich dieses auf meinem Handy oder auf dem Desktop bediene. Das schafft nicht nur Identität mit dem Produkt und erhöht die User Experience. Es hilft hilft auch bei der Bedienung des Tools, denn ich muss nicht mehr verschiedenste User Interfaces erlernen, sondern nur noch eines.

Keine Installation einfaches Deployment

Vielleicht haben Sie Softwareverbesserungen vorgenommen und einige Bugs gefixt. Nun möchten Sie das Update Ihren Kunden zur Verfügung stellen. Ab da beginnt für Sie vermutlich ein aufwendiger Prozess. Sie müssen Versionierungen berücksichtigen und die Distribution organisieren. Zudem haben Sie keine Kontrolle über Ihre Software, diese kann beliebig kopiert oder gecrackt werden ohne, dass Sie dies merken. Bei der online Applikation muss ich üblicherweise nur eine zentrale Instanz patchen und alle zugreifenden Clients profitieren von der Verbesserung.

Hohe Sicherheitsaspekte oder Risiko?

Diesen Aspekt könnte man wohl als grössten Nachteil von Web-Lösungen aufführen. Denn praktisch täglich liest man über gehackte Websites und gestohlene Passwörter. Dem gegenüberstellen kann man die diversen CD-ROMs, mit heiklen Bankdaten, welche in den letzten Jahren über den Ladentisch gingen…

Jedoch spricht ein Punkt für die erhöhte Sicherheit: Sicherheitslöcher müssen an nur noch einer zentralen Stelle gestopft werden. Und mit sinnvollen Sicherheitsrichtlinien (SSL, sichere Passwörter, VPN, 2 Faktorenauthentifizierungen, uvm.) kann auch bei einer Web-Lösung ein Höchstmass an Sicherheit garantiert werden. All die Online Banking Lösungen zeigen uns, wie das konkret gemacht wird. Ein weiteres gewichtiges Argument spricht für Online-Applikationen: Bei der zentralen Datensicherung auf dem Server kann davon ausgegangen werden, dass die Sicherung professionell gemacht wird und der SysAdmin bei Datenverlust ein Backup hervorzaubert. Wohingegen Fat Clients die Daten lokal verarbeiten und einzelne Geräte oft nur ungenügend gegen Datenverlust abgesichert sind.

Auch veraltete Hardware tut noch ihren Dienst

Da funktionale Teile, wie beispielsweise die Business-Logik, komplett auf dem Server abgebildet werden, benötigt es für den Client lediglich ein User Interface. Und die üblichen Webbrowser laufen auch auf Hardware, welche nicht ganz auf dem neuesten Stand sind. Zudem wird die komplette Computing Power an den Server ausgelagert, sodass ein leichtgewichtiger Client oft ausreicht.

Wieso nicht mehr webbasierte Applikationen?

Ich habe mir im Laufe des Artikels überlegt, wieso nicht schon längst viel mehr Applikationen im Web laufen? Klar, die Komplettablösung eines Fat Clients dürfte in vielen Fällen mit hohen Investitionen verbunden sein. Aber wie wäre es mit einem Zwischenweg? Wieso nicht die .exe-Dateien mit einem Web-Layer und einem intuitiv bedienbaren Frontend erweitern? Die Business-Logik bleibt auf dem Server. Und die Datenhaltung wird davon abgekoppelt und erfolgt zentral.

snowflake hat in den letzten Jahren diverse solche Projekte erfolgreich begleiten dürfen und es mit verhältnismässig überschaubarem Aufwand geschafft, zumindest die wesentlichsten Teile komplexer Applikation online zugänglich zu machen.

Gerade sind wir daran diesen Weg auch bei der International School of Zug and Luzern zu gehen und mit einer Verlagerung von Prozessen ins Web vor allem den Aspekt „Nutzbarkeit auf allen Devices mit einheitlichem User Interface und Transparenz“ umzusetzen (mehr dazu finden Sie in unserem letzten WebTalk).

Visionär gedacht sehe ich sogar noch zahlreiche weitere Möglichkeiten beim Einsatz von Thin Clients. Wenn das User Interface und die Daten schon zentral verwaltet werden, wieso nicht anhand von messbaren Benutzerverhalten Optimierungen vornehmen? – Stichwort BigData. Oder ein A/B-Testing um für die User Experience wichtige Erkenntnisse zu gewinnen? Das Potential von Online Applikationen ist meiner Meinung nach immens und neben den rein technischen Argumenten, eben gerade erst dabei so richtig loszulegen.

Was ist Eure Sichtweise zu diesem Thema?

Unsere Dienstleistungen zum Thema Fat Client finden Sie auf unserer Website

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