Zu wenig Wettbewerb bei IT-Vergaben der Bundesverwaltung

09. Mai 2016 von Adrian Zimmermann Veröffentlicht unter *Unternehmens-News*, Medien/Events Verschlagwortet mit , , , , , , , ,

Letzten Mittwoch (04.05.16) berichtete die SRF-Rundschau in einem Beitrag von Florian Imbach und Julian Schmidli, dass über 50% der Aufträge vom Bund NICHT öffentlich ausgeschrieben werden, obwohl die Gesetzeslage dies ausdrücklich vorschreibt. Dies sind in der Summe Aufträge in Milliardenhöhe. Das IWI der Uni Bern hat dies anhand einer Studie unter der Leitung von Matthias Stürmer aufgezeigt.

rundschau_at_snowflake

Auch ich, als Geschäftsleitungsmitglied von snowflake und Mitglied von Parldigi durfte mich dazu äussern und sehe die bereits bestehenden Befürchtungen über das Ausmass von freihändigen Vergaben hiermit bestätigt. Ja, ich musste sogar feststellen, dass mit einer Quote von 59% freihändigen Vergaben, die Zahl noch einiges höher ist als befürchtet! Auch erstaunlich ist, dass Freihänder in den anderen Sektoren wie z.B. Strassenbau oder Mobiliaranschaffung, konstant im Schnitt auf einem Wert von 16% liegen, während IT-Beschaffungen konstant hoch über den 50% liegen. Offenbar herrschen bei der IT-Beschaffung besondere Gesetzmässigkeiten, so dass die Regel zur Ausnahme wird.

Hier der Beitrag der SRF Rundschau:

Was sind mögliche Gründe? Ich denke, ein wichtiger Faktor bei Vergaben ist das fehlende IT-Know-how bei der Verwaltung generell und damit verbunden die Angst scheiternde Projekte wie z.B. das Insieme Debakel zu kreieren. Das ist jedoch genau kontraproduktiv und erhöht das Risiko solch ‚fauler‘ Projekte, da bei freihändigen Vergaben an mehrheitlich grosse Player kein Wettbewerb spielt und somit die Kosten des einzigen Anbieters mit ziemlicher Sicherheit schon viel zu hoch angesetzt werden. Da wir ja in einer gewinnorientierten, ‚freien‘ (eben eigentlich MIT Wettbewerb!) Marktwirtschaft leben ist dies nur die logische Konsequenz. Will heissen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert oder Rahmenbedingungen sich ändern – und jeder der nur ein bisschen Ahnung von IT hat, weiss, dass alles was passieren kann auch teilweise eintrifft – dann ist man sofort am Limit mit den Kosten, das Debakel nimmt seinen Lauf und Steuergelder werden sinnlos vergeudet. Warum sollen sich Firmen die laufend von Freihändern profitieren noch durch Qualität und optimierte Kosten auszeichnen? Dies hilft leider nicht dabei gute IT Projekte zu realisieren!

Ein weiteres Problem ist das ewige Argument, dass nur DIESER oder JENER Anbieter das Projekt bewältigen kann. Es wäre wünschenswert, wenn man auch in der Verwaltung diese faule Ausrede endlich beerdigen würde, sie ist inzwischen wirklich unglaubwürdig und peinlich. Es gibt in der IT NIE nur eine Lösung die man auf ein Problem werfen kann, auch wenn man bereits vermeintlich komplexe und ‚grosse‘ Systeme in Betrieb hat und dort etwas erneuern oder anpassen muss. Im Gegenteil, es gibt wohl in kaum einer Branche so viele kreative Ansätze wie in der IT. Also lasst endlich den Wettbewerb spielen und holt euch die beste Lösung für den besten Preis ins Haus, die KMU Welt in der Schweiz ist sehr vielfältig und innovativ!

Links zum Thema:

Beitrag der Rundschau
Ergänzender Bericht der Rundschau
Parldigi Blog (von Matthias Stürmer)
Analysen der Uni Bern
7 erstaunliche Grafiken (SRF)
Reaktion im Tagi
Reaktion im 20 Minuten

 

Beiträge zum Thema aus dem Jahr 2015
Bericht vom 10.10.2015 der NZZ
Parldigi Blog vom 25.09.2015 (von Matthias Stürmer)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.