Das Bier ist aus, die User Story muss her!

13. Juni 2013 von Adrian Christen Veröffentlicht unter Know-how/Tipps&Tricks, Web Applications Verschlagwortet mit , , , , ,

Es ist doch so …

Die grafische Darstellung des Ablaufs von Scrum findet tatsächlich auf einem Bierdeckel platz und, mit etwas Grips, können wir uns alle auch sehr gut vorstellen, wie das im Alltag ablaufen sollte – haben wir doch alle ein Studium hinter uns und/oder einige gehörige Portion an Erfahrung im Bereich der Entwicklung von Geschäftsprozessen im Rucksack ;).

Nach einigen gemeinsamen Gesprächen, dem Zusammentragen von Wissen und dem Ausräumen der letzten Bedenken, finden wir:

„Hey, okey, das tönt spannend: lass uns das ausprobieren!“

dem Bierdeckel wird Leben eingehaucht, wir schlüpfen in die Rollen des Product Owners und formen ein schlagkräftiges Scrum-Team welches eine geballte Ladung an Wissen und Erfahrung mitbringt. Es findet sich sogar Einer, der sich bereit erklärt die Rolle des Aussenseiters zu übernehmen: Scrum Master, Product Owner und Team sind formiert. Sogar auf die Tools hat man sich geeinigt und alle sind voller Tatendrang:

„Let’s start it! Und jetzt? Was jetzt? Wie jetzt? Ah genau! Product Backlog! User Stories! Looooooos…!!!“

Vom Fahrradfahren zur weissen Karte

Hm, aber diese weisse Karte starrt mich an, da soll ich jetzt eine User Story drauf schreiben? Okey, wie war das? Satzschablone, INVEST, Akzeptanzkriterien – alles klar! Alles klar? Nun, doch nicht ganz… aber eigentlich ist es gar nicht so schwer (finden wir bei snowflake). Und macht nicht jeder mal Fehler? Wie war das jetzt genau beim Fahrradfahren lernen?

Wer mag sich nicht an die unzählige Stürze erinnern, die Schürfwunden an Knie und Ellbogen und aber auch an den erhebenden Moment, wo man nicht mehr bloss vom linken aufs rechte Stützrad umkippte, sondern gerade aus fahren konnte! Und genau so ist es mit dem Schreiben von User Stories: man lernt es wie Fahrradfahren, kann es immer besser und verlernt es nicht mehr! Du denkst jetzt vermutlich:

„Wie Fahrradfahren … pfff, was hat das gemeinsam? Der Adi, der spinnt doch!“

Hm, sicher? Hier mein Versuch dich vom Gegenteil zu überzeugen ;):

Fahrradfahren, wie funktioniert das:

  • Ich habe ein Ziel: Ich will Fahrradfahren lernen! Die Welt umrunden!
  • Ein Werkzeug wäre nett: Ha, mein fancy Fahrrad – Schweife, Körbli und selbstverständlich in Pink!
  • Da ich ein Newbie bin, brauche ich Hilfsmittel: Stützräder wären ganz nett – check!
  • Und dann muss ich es wagen, mich mit Übung verbessern: fahren, fahren, fahren!

User Stories schreiben, wie funktioniert das:

  • Ich habe ein Ziel: Ich will Anforderungen an das System allgemein verständlich formulieren!
  • Ein Werkzeug wäre nett: Ha, da gab es doch dieses Buch1 (sogar auf Deutsch!), welches u.A. eine Satzschablone aufführte: „Als [Benutzerrolle / Wer] möchte ich [Ziel / Was], sodass [Grund / Warum].“ – bingo!
  • Da ich ein Newbie bin, brauche ich Hilfsmittel: Hm, da steht noch mehr in diesem Schinken (Umgangssprachlich für ein dickes Buch): INVEST und Akzeptanzkriterien sind da die Stichworte, welche ich im Index nachschlage!
  • Und dann muss ich es wagen, mich mit Übung verbessern: Stift und Papier reichen, ich nehme die Sicht des Nutzers des Systems ein und schreibe meiner erste User Story! Und dann gleich noch eine! Dabei überlege ich mir: „Versteht der Fabian, was ich von ihm will und weshalb ich das will?“. Ja. Gut, weiter!

Wer wagt, gewinnt!

Meine Erfahrung zeigt mir, dass sich die beiden (Lern-) Prozesse „Fahrradfahren“ und „User Stories schreiben“ nicht sonderlich unterscheiden: beide sind von anfänglicher Ungewissheit geprägt, welche mit zunehmender Übung einer zufriedenstellenden Sicherheit weicht. Dabei helfen Hilfsmittel wie Satzschablonen und Bücher beim Einstieg, welchen man nota bene selber wagen muss, und stützen den Lernprozess dauerhaft. Natürlich kann eine Schulung den Lernprozess beschleunigen, die eigentliche Erfahrung kommt jedoch erst, wenn man sich hinsetzt und schreibt.

Gute User Stories entstehen!

Vom ersten schriftlichen Festhalten einer User Story durch den Product Owner auf einer Karte (Card), über das gemeinsame Gespräche zwischen dem Product Owner und dem Team (Conversation) bis hin zur gemeinsamen Ausarbeitung von Akzeptanzkriterien (Confirmation). Dabei hilft es, wenn der Product Owner von Beginn an die Hilfsmittel einsetzt (gute weisen auch das CCC-Prinzip aus!).

Anfängliche Skepsis ist normal! Unsicherheit auch!

Wird jedoch ein sicheres Umfeld geschaffen („save to failure“), so können unter Einsatz der richtigen Hilfsmittel (Schulung, Lektüre) und durch stetiges Üben, schnell gute bis sehr gute User Stories verfasst werden.

Natürlich kann man das Schreiben von User Stories unterschiedlich üben (am „lebenden“ Projekt, im geschützten Rahmen eines Workshops oder als Gedankenspiel im Zug) – aber sicherlich ist das Erstellen von User Stories nicht das Ende der Fahnenstange! Oh nein! User Stories sind ein „Produkt“ des Requirements Engineerings.

Und: Vorgeschaltet an die Entwicklung von User Stories, ist das Requirements Engineering (die Anforderungsanalyse) – eine eigene Disziplin der Informatik und Teil des Systementwicklungsprozesses. Das zu erläutern sprengt leider den Rahmen diese Beitrages – andere studieren das zwei Semester lange an der ZHAW ;).

Und du?

Was ist deine Erfahrung mit dem Schreiben von guten User Stories? Wie gehst du vor? Schreib mir!

Der Scrum-Prozess auf dem Bierdeckel

Der Prozess von Scrum hat auf einem Bierdeckle platz: echt!

Mein fancy Fahrrad

Schweife, Körbli und selbstverständlich in Pink!

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