TYPO3 Konferenz in Phnom Penh – Wahrnehmung Open Source Software

23. August 2012 von Dominic Brander Veröffentlicht unter Medien/Events Verschlagwortet mit , ,

Vor wenigen Tagen ging die erste TYPO3 Konferenz in Asien zu Ende. Die Konferenz fand in Phnom Penh (Kambodscha) vom 17.-18. August statt. snowflake präsentierte an der internationalen Konferenz das Thema „Multichannel und Device unabhängiges Publizieren“.

Da ich selber nicht an der Konferenz anwesend sein konnte, habe ich das remote über Twitter, Facebook und Flickr verfolgt. Und dabei bin ich über einen Bericht zur Konferenz in der Phnom Penh Post gestossen. Nur schon der Titel des Beitrags lässt aufhorchen: Software licences in Cambodia debated. Dass an einer TYPO3 Konferenz „Pro und Con OSS“ überhaupt noch Thema sein soll lässt aufhorchen. Diese Diskussion haben wir doch schon vor Jahren geführt (und eigentlich abgeschlossen)? So richtig spannend wird es, wenn im Artikel Pily Wong, Microsoft Country Manager zu Wort kommt:

“Most open source software is not developed by professionals, but by individuals or independent communities. That results in no real integration of the solutions, and the products are not the most reliable, nor fully integrated with one another. It takes a long time before any bug is patched, and most of the time, new versions never come out. The problem is that most open source software is free and has a small market share, so there is no real incentive for developers to create and innovate on this platform.”
Quelle: The Phnom Penh Post

Abgesehen davon, dass der Einschub mit Pily Wong in keinem wirklichen Zusammenhang mit dem Rest des Artikels steht, ist es doch recht ernüchternd solche Aussagen heutzutage noch immer lesen zu müssen. Als ich vor 10 Jahren potentiellen Kunden die Vorteile von Open Source Software, im speziellen TYPO3, schmackhaft machen durfte, habe ich solche Argumente noch des öfteren gehört. Aber seit einigen Jahren hat sich die Wahrnehmung zugunsten OSS gewendet und niemand muss mehr über Vor- und Nachteile von OSS „aufgeklärt“ werden. Und dann liest man so was in der Zeitung…

Ich kann und will hier nicht für jede OS Lösung sprechen, aber am Beispiel TYPO3 lässt sich sehr gut aufzeigen, dass die Aussagen von Pily Wong nichts anderes als Pauschalisierungen und Vorurteile sind.

Most open source software is not developed by professionals, but by individuals or independent communities.

Dass viel Zeit von einzelnen Personen in die Weiterentwicklung von TYPO3 gesteckt wird stimmt. Was daran schlimm oder schlecht sein soll entzieht sich mir. Aber dass die nicht professionell sein sollen ist schlichtweg eine Lüge. Die zahlreichen EntwicklerInnen die ich in den letzten Jahren im TYPO3 Umfeld kennen gelernt habe sind durchaus Profis ihres Faches. Und dass Firmen sich gezielt und stark für OSS einsetzen ist ja inzwischen hinlänglich bekannt. Also keine Rede von nicht professioneller Entwicklung.

That results in no real integration of the solutions, and the products are not the most reliable, nor fully integrated with one another.

Muss man das noch kommentieren? Das ECMS TYPO3 wird nur für kleine Vereine, unbedeutende Firmen und Organisationen wie HP, Sixt, Philips, Media Markt, Helvetia, FC Schalke, BASF und viele mehr eingesetzt. Klar, dass Verlässlichkeit da keine Rolle spielt.

It takes a long time before any bug is patched, and most of the time, new versions never come out.

Genau! Und das aus dem Munde eines Microsoft Country Managers ;-). TYPO3 hat eine vorbildliche Roadmap-Politik und kritische Bugfixes sind innerhalb kürzester Zeit verfügbar.

The problem is that most open source software is free and has a small market share, so there is no real incentive for developers to create and innovate on this platform.

Ja, TYPO3 ist ein echtes Nischenprodukt, das auf etwas mehr als 500’000 Sites verwendet wird. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, dass nur ein paar Tausend Firmen das ECMS als zentrales Produkt in ihrem Portfolio aufführen und zu einem grossen Teil davon leben.

Klar hat ein Software-Hersteller wie Microsoft nur ein müdes Lächeln für eine Community wie TYPO3 übrig. Unser gesamtes Budget der letzten Jahre entspricht wahrscheinlich nicht einmal der Portokasse von Microsoft. Aber Fakt ist, dass gerade im CMS-Bereich schon länger eine klare Abkehr von kommerzieller Software hin zu OSS im Gange ist. Und noch drastischer ist es, wenn man das bei den Webservern verfolgt. Da hat sich das Blatt schon länger gewendet und 3/4 der Server verwenden die Open Source Produkte Apache und nginx. Und nur noch 18% verwenden Microsoft IIS. Höchste Zeit, dass jemand mal den Server Admins, die Apache und nginx einsetzen, mitteilt, dass ihre verwendete Software nicht verlässlich ist. Und neue Versionen werden wahrscheinlich auch nicht mehr rauskommen, denn die OSS wird leider nur von nicht-professionellen Individuen entwickelt.

Den ganzen Artikel gibt es hier zu lesen: http://www.phnompenhpost.com/

Und nicht vorenthalten möchte ich die Impressionen der Konferenz.

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