Blogge jetzt aus Japan

14. Januar 2009 von tschlaepfer Veröffentlicht unter 日本

Ein Alien mehr in Japan

Ausgestattet mit einem 3-Jahres-Visa von der japanischen Botschaft in Bern machte ich mich im Dezember 2008 auf den Weg nach Japan. Der Botschaftsangestellte in Bern wies freundlich darauf hin, dass ich mich dann bei der Behörde, wo ich Wohnsitz nehme in Japan, rechtzeitig anmelden muss. “Jawohl, das mach ich”, antwortete ich ihm und fragte noch, wie viel Zeit ich denn für die Suche nach meiner neuen Bleibe hätte. Er meinte nur, dass ich bei der Einreise dann die entsprechenden Anweisungen erhalten werde.

So war’s dann auch… ohne irgendeine Frage über meine Pläne (wofür, wohin, wie lange, usw.) klebte der Beamte den QR Code Sticker mit der Einreisebewilligung in meinen Pass und legte noch ein kleines Papier mit Anweisungen dazu. Der Titel: Registration of Aliens in Japan . Nun gut, dass ich nach einem 12-stündigen Flug nicht mehr so fit aussehe, ist wohl jedem verständlich… mich aber dann als Alien zu bezeichnen, fand ich schon etwas merkwürdig.

Neuerdings muss man bei der Einreise auch seinen Fingerabdruck hinterlassen und ein webcam-ähnliches Ding (es erinnerte mich spontan an Wall-E, den süssen Roboter aus dem Kinofilm den ich mir im Flugzeug angeschaut hatte) schiesst dazu noch ein Porträtfoto, so ähnlich also wie vielleicht aus den USA bekannt. Speditiv war das ganze Prozedere aber allemal. Mein Dankeschön geht an die Botschaft in der Schweiz und den effizienten Beamten am Flughafen Narita.

Im Zettel stand dann auch die Frist von 90 Tagen. Meine Probezeit in Japan ist also auf 3 Monate begrenzt. Danach muss ich entweder wieder zurück in die alte Heimat oder darf dann als registriertes Alien meine neue Heimat noch etwas länger kennenlernen, bis maximal 3 Jahre. Wie es dann weitergeht? Hmmm, bestimmt kann ein Alien auch Verlängerungen beantragen, höchstwahrscheinlich aber nur die artigen Alien. Also muss ich mich nun schnellstens mit den Benimm-Regeln zuwenden, quasi den japanischen Knigge. Und davon gibt’s unglaublich viele! Hier ein erstes Regel-Müsterli:

Regel 1: Der Handy-Benimm-Modus

In jedem Zug gibt’s den “manner mode”-Sticker. Darauf wird beschrieben, dass jeder Fahrgast das Mobiltelefon während der Zugreise gefälligst auf stumm schalten sollte. Warum? Weil wenn ein keitai denwa 携帯電話, so heissen hier die Natels) durch einen unvorhergesehen Anruf in helle Aufruhr versetzt wird und wilde Klänge von sich gibt, der mitreisende Fahrgast das gar nicht toll findet. Deshalb soll der Handy-Besitzer sich artig benehmen und eben den “Benimm-Modus” auf seinem Handy aktivieren. Darunter wird selbstverständlich auch verstanden, dass der Angerufene das Gespräch natürlich nicht annimmt, vielleicht aber freundlich eine Mitteilung an den Anrufer schickt, “bin grad unterwegs im Zug”. Dafür gibt es sogar ein spezielles Emoji, denn wer will diesen Satz schon Tausend mal tippen. Doch zu den Emoji komme ich ein anderes Mal.

Falls es, und das aus nur schwer zu begründenden Notfällen, trotzdem zu einem Gespräch während der Fahrt kommen sollte, ist das möglichst leise und kurz zu erledigen. Es empfiehlt sich dabei auch die Hand vor den Mund zu halten um noch mehr Lärm und Unheil zu vermeiden.

Keitai OFF!

Zeit im Zug sinnvoll nutzen

OK, ich habe verstanden, keine Gespräche im Zug. Aber ist das Zugfahren so nicht langweilig? Gar keine Gespräche der mitreisenden Fahrgäste mehr mithören oder die SMS-Konversation des Nachbarn mitverfolgen? Ich brauchte nicht lange zu suchen, da fand ich schon etwas spannendes… eine erst gerade zugestiegene junge Dame packte ihr ganzes Schmink-Köfferchen aus und fing an sich ungestört zu schminken. Die Zugsreise vom Flughafen Narita bis nach Tokyo dauerte vielleicht etwas mehr als eine Stunde, während dieser Zeit verwandelte sie sich von einem leicht blassen Mädchen zu einem regelrechten Vamp. Ich habe Puderdöschen, Mascara & Co. nicht mitgezählt, es waren einfach zu viele.

Ich erinnerte mich an die Pausengespräche mit früheren Arbeitskolleginnen. Da war ich mal eine Zeit lang der einzig männliche Anwesende in der Abteilung und die Damen plauderten über die besten Strumpfhosen-Marken und sonst noch wichtige Frauenthemen. Irgendwie fühlte ich mich da falsch am Platz, aber mit diesem nun erworbenen Know-how hätte ich da voll mithalten können. Viele Fahrgäste fanden das aber nicht wertvoll und haben einfach nur geschlafen, oder meditiert? Denn oft erwachten sie urplötzlich wie aus dem Tiefschlaf, stehen auf und bis der Zug zum Stillstand gekommen ist und die Türe sich geöffnet hat, sie nur noch einen Schritt nach draussen benötigt haben. Also ein Roboter war’s nicht, da bin ich mir ganz sicher!

Mitmachen

Liebe Blog-LeserInnen, begleiten Sie mich in Japan. Ich möchte Sie gerne teilhaben lassen an meinem Abenteuer und hoffe, dass Sie den einen oder anderen Nihon-Blog-Beitrag lesenswert finden werden.

Und wenn ich über etwas berichten soll, dass Sie speziell interessiert aus dem Land der aufgehenden Sonne, dann schreiben Sie einfach einen Kommentar. Als Japan-Lehrling weiss ich natürlich noch nicht alles perfekt, aber ich werde mich bemühen, mehr über Ihr Themenvorschlag in Erfahrung zu bringen.

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