Prolog
Wer sich schon einmal mit der Planung einer neuen Website beschäftigt hat, hat sie sicher schon geführt: die Diskussion über DEN Internetuser. Immerhin lehrt uns die klassische Marketingkonzeption, sich unmittelbar nach dem Festhalten der Ausgangslage der Zielgruppendefinition zu widmen. Und je genauer man diese definiere, desto sicherer sei der Erfolg. Und da alle am Projekt beteiligten Personen selbst Internetuser sind – zumindest darf davon ausgegangen werden – weiss auch jeder und jede ganz genau, was DER User will.
Tatort Sitzungszimmer
Am Tisch sitzen etwa der gestresste Verkaufsleiter, der keine Zeit hat, sich Internetseiten anzuschauen und findet, es brauche im Grunde nichts weiter als eine grosse Telefonnummer, direkt in die Verkaufsabteilung natürlich, schliesslich wolle man ja Business machen. Diametral entgegengesetzt ist die Produktedesignerin, die den Raum erkennt, endlich sämtliche Botschaften, Bilder, Details und Varianten in ihrer gesamten Tragweite zu vermitteln. Weiter haben wir den alternden Werbegrafiker, der vor einigen Jahren selbst ein paar Websites erstellt hat und nun mahnend aufs CI/CD-Handbuch zeigt und darauf verweist, dass man keinesfalls die (natürlich von ihm konzipierte) Gestaltungslinien aus der Printkampagne verwässern dürfe. Und schliesslich sitzt auch noch der IT-Freak mit am Tisch, der auf vielschichtige, mit neuesten Gadgets gespickte Sites abfährt. Toll, oder?
Die Moral der Geschichte
Entscheidend ist aber zu wissen, dass es DEN Internetuser nicht gibt! Es gibt zwar durchaus wichtige Erhebungen aus der Benutzerforschung, sowie Grundsätze und Regeln für kompetente Websites; beispielsweise bezüglich Usability oder Suchmaschinenoptimierung. Man darf aber getrost davon ausgehen, dass es etwa gleich viele Bedürfnisse an eine Website gibt, wie es User die sie Besuchen gibt. Und schliesslich ist es doch gerade ein Vorteil des Internets, dass sich jeder Besucher das raus sucht kann, was ihn oder sie interessiert.
Entscheidend ist, einen sinnvollen, gut aufbereiteten Mix für «seine» Besucher zu finden.